ECHT - Das Heft für den Bundesfreiwilligendienst, 2. Ausgabe 2025
von Stefan Thissen
Er stärkt Rücken und Wirbelsäulen, mobilisiert ältere und kranke Menschen und kümmert sich um Sportgeräte und Übungsräume – Todd Schlichting ist als Bundesfreiwilliger sportlich im Einsatz.
Ihr rechter Unterschenkel hängt in einer Schlinge etwa 20 Zentimeter über der Gymnastikmatte, während sich Karla auf der Seite liegend geschickt mit dem rechten Ellenbogen vom Boden abstützt und gleichzeitig ihren linken Arm in die Höhe streckt. „Heb dein Becken noch etwas höher an. Versuche, einen Bogen zwischen Ellenbogen und Bein aufzuspannen, sodass die Wirbelsäule gerade bleibt und der Rücken nicht durchhängt“, ermuntert Trainerin Sabine sie. Zusammen mit dem Bundesfreiwilligen Todd Schlichting betreut sie die sportliche Frau bei ihren Balanceübungen zur Stärkung ihrer Rückenmuskulatur.
„Todd, bei der Übung achtest du darauf, dass das Becken stabil bleibt – es sollte weder nachvorne noch nach hinten ausweichen. Die Wirbelsäule muss eine gerade Linie ergeben und die Beine richtig positioniert bleiben“, erklärt Sabine ihm. Der Bundesfreiwillige verfolgt Karlas Übung aufmerksam und hört konzentriert auf Sabines Anweisungen. Sport ist seine Leidenschaft, und er orientiert sich zielstrebig in Richtung eines Sportstudiums.
Sportlich aktiv
Todd Schlichting ist 18 Jahre alt und lebt in Stahnsdorf bei Berlin. Seine Eltern sind sportlich sehr aktiv, und durch sie hat er seine Liebe zum Sport entdeckt. Schon mit vier Jahren begann er beim Stahnsdorfer Verein „RSV Eintracht 1949“ Fußball zu spielen. Mit zehn wechselte er in die Leichtathletik-Abteilung seines Vereins, in dem auch seine Mutter schon lange aktiv und als Trainerin tätig ist.
Train the Trainer: In seinem Bundesfreiwilligendienst lernt Todd Schlichting von erfahrenen Sportwisschenschaftlern Anfangs probierte er sich im Weitsprung, in den 100- und 200-Meter-Sprints sowie auf Langstrecken von 800 bis 3000 Metern aus. In der Altersklasse U14 trainierte er mehrmals wöchentlich im Berliner Landeskader für Leichtathletik. Mit 16 Jahren wechselte Todd zum Speerwurf, seiner heutigen Paradedisziplin, und trainiert nun vier- bis fünfmal pro Woche.
Nach seinem Realschulabschluss an der Maxim-Gorki-Gesamtschule absolvierte Todd in Potsdam eine Ausbildung zum Fitness- und Gesundheitstrainer an der Europäischen Sportakademie Brandenburg (ESAB). Dadurch qualifizierte er sich für vielfältige Positionen im Sport-, Präventions- und Fitnessbereich.
Während seiner Ausbildung an der ESAB wurden ihm unter anderem medizinische Grundlagen für den Gesundheits- und Fitnesssport vermittelt. Der Lehrplan umfasste zudem Sportwissenschaften, Sportpsychologie, Sportpädagogik, betriebliches Gesundheitsmanagement und Vereinsmanagement.
Für die praktische Arbeit mit Kindern, Senioren und Menschen mit Haltungs- und Bewegungsschäden besuchte Todds Ausbildungsklasse einmal pro Woche entweder einen Kindergarten, ein Seniorenheim oder eine Behörde, um dort Übungen anzuleiten.
Im Kindergarten bauten sie Parcours auf, die Kinder spielerisch zur Bewegung animierten. Mit Senioren wurden Balanceübungen zur Unfallprävention durchgeführt. Büroangestellte eines Ministeriums erhielten Gymnastikübungen, um Haltungsschäden durch lange Sitzzeiten vorzubeugen.
Praktische Stunden
Parallel dazu bot sich Todd die Möglichkeit, an der ESAB die Fachhochschulreife zu erwerben. Neben dem Ausbildungslehrplan absolvierte er zusätzlichen Unterricht in Deutsch, Mathematik und Englisch. Um die Fachhochschulreife als Gesundheits- oder Fitnesstrainer anerkennen zu lassen, benötigt Todd jedoch noch weitere praktische Stunden, die durch die schulischen Übungen nicht angerechnet werden.
Auf der Suche nach einer Möglichkeit, diese praktischen Stunden zu sammeln, stieß er auf den Bundesfreiwilligendienst. Neben der Erfahrung aus der Praxis bieten ihm die fachlichen Fortbildungen im Rahmen dieses Programms einen zusätzlichen Vorteil. Todd recherchierte im Internet nach Einsatzstellen in seiner Nähe und entdeckte offene Bundesfreiwilligenstellen beim Sport-Gesundheitspark Berlin e.V. In der Geschäftsstelle des Vereins am Olympiastadion hatte er bereits eine medizinische Untersuchung für die Zulassung zum Berliner U14-Leichtathletikkader absolviert, sodass ihm der Verein nicht unbekannt war.
Der Sport-Gesundheitspark Berlin e.V. ist eine gemeinnützige Einrichtung mit fünf Standorten in Berlin. Hier werden insgesamt 7705 Mitglieder in kleinen, professionellbetreuten Gruppen – in Zehlendorf mit maximal zehn Teilnehmern – zu gezielten Bewegungsprogrammen angeleitet. Die Angebote richten sich vor allem an Menschen, die in leistungsorientierten Sportvereinen oder Fitnessstudios nicht das passende Training finden. Sie sind speziell auf die Belastbarkeit der Teilnehmer abgestimmt und besonders für ältere Menschen, Kranke und Genesende gedacht.
In der Niederlassung Berlin-Zehlendorf werden auf insgesamt ca. 800 Quadratmetern in neun Trainingsräumen Kurse zur Erhaltung der Mobilität für ältere und kranke Menschen angeboten. Die freundliche, sportliche Atmosphäre sorgt dafür, dass die Mitglieder gerne kommen und trainieren.
Das Team um Diplom-Sportwissenschaftler Ingo Böhme, der seit 1999 im Sport-Gesundheitspark tätig ist und die Zehlendorfer Filiale mit aufgebaut hat, hat Todd von Anfang an in die Abläufe integriert.
Todd betreut Karla mittlerweile im Rückentrainingskurs bei Übungen für den Schultergürtel und die Halswirbelsäule an den Schlingen sowie bei Balanceübungen am Geländer des Posturomeds, einem neuroorthopädisches Therapiegerät. Trainerin Sabine bleibt in der Nähe, beobachtet das Training und greift bei Bedarf ein. Die meisten Vereinsmitglieder freuen sich, wenn Todd ihnen zur Seite steht und sie nicht alleine trainieren müssen.
Seit dem 1. Oktober 2024 absolviert Todd seinen Dienst hier und fühlt sich wohl. Er lernt von erfahrenen Sportwissenschaftlern praktische Übungen und den Umgang mit den Trainierenden. Besonders wertvoll ist für ihn die direkte Interaktion mit den Mitgliedern. Nebenbei hilft er auch bei organisatorischen Aufgaben wie der Pflege der Trainingsräume oder im Büro.
In zwei Fortbildungskursen konnte er bereits die Lizenzen für „Reha-Sport-Orthopädie“ und „Reha-Sport-Herzsport“ erwerben. Noch ist er unentschlossen, ob er ein reines Sportstudium oder ein Sportmanagement-Studium absolvieren möchte. Er kann sich aber auch vorstellen, als Trainer in einem großen Sportverein oder im Reha-Sportbereich zu arbeiten.
Viele seiner Kollegen im Sport-Gesundheitspark Berlin e.V. haben vor ihrem Sportstudium ebenfalls als Bundesfreiwillige in der Einsatzstelle gearbeitet und später eine feste Anstellung als Trainer gefunden. Diese Perspektive kann sich Todd ebenfalls gut vorstellen.
Im Speerwurf will er auf jeden Fall weitermachen – vielleicht schafft er es sogar zurück in den Berliner Kader. Letzte Saison hat er mit 17 Jahren beeindruckende 52 Meter geworfen, während der beste U18-Berliner 2024 auf 54,34 Meter kam. Wie es für Todd weitergeht, wird sich zeigen. Sicher ist nur eines: Sport bleibt sein Lebenselixier – ob aktiv oder als Trainer, er wird immer in Bewegung bleiben.
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