AOK Gesundheitsmagazin Nordost, 3/25

Interview: Jana Hauschild, Studio ZX; Fotos: Getty Images, privat

 

Im Interview mit der AOK erzählt Denis Gerke, unser Trainer des Kindersportprogammes Fidelio, wie übergewichtige Kinder den Spaß an Bewegung finden. 

 

Wie können Eltern bei übergewichtigen Kindern die Freude an Sport entfachen und Ängste nehmen? Ein Gespräch mit dem Motivationsexperten und Kindertrainer Denis Gerke.

 

Herr Gerke, haben Kinder mit zu viel Gewicht weniger Freude an Bewegung und Sport?
Denis Gerke — Nicht unbedingt. Alle Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang. Aber Kinder mit Übergewicht sind körperlich oft weniger belastbar und schneller außer Atem. Auch sind ihre koordinativen Fähigkeiten häufig weniger gut ausgeprägt: Sie stolpern öfter oder können Bälle nicht so gut fangen. Wir haben deshalb für Schulkinder mit Übergewicht einen sicheren Raum für Bewegung geschaffen.

 

Wie viel Bewegung brauchen Kinder denn überhaupt?
Sie sollten sich mindestens 90 Minuten am Tag bewegen. Aber das muss nicht nur eine sportliche Aktivität sein. Herumtollen auf dem Spielplatz oder beim Spaziergang im Wald ist genauso nützlich. Auch bewegen sich Kinder, die mit dem Rad zur Schule fahren oder zu Fuß gehen, natürlich mehr als die, die von ihren Eltern mit dem Auto gefahren werden. Es sind oft kleine Bewegungen im Alltag, die sich summieren – und etwas bewirken.

 

Mobbing ist oft ein Grund, warum sich Kinder beim Sport nicht wohlfühlen. Wie ist bei Ihnen das Miteinander?
Das stimmt: Je älter die Kinder sind, desto eher erleben sie auch Ausgrenzung und Diskriminierung. Wenn sie das erste Mal zu uns in die Beratung kommen, fragen sie oft nach, wie die anderen Kinder in der Sportgruppe sind. Sie haben Versagensängste, schämen sich. Wenn wir ihnen sagen, dass es hier allen ähnlich geht, ist die erste Hürde
genommen.

 

Wie schaffen Sie es, Kinder mit höherem Gewicht für Bewegung zu begeistern?
Dafür haben wir die Methode Zapping entwickelt. Die funktioniert wie das schnelle Umschalten am Fernseher, daher der Name. Für uns heißt das: Kein Spiel dauert länger als zehn Minuten. Wir verändern schon nach kurzer Zeit die Regeln, die Richtung, den Ball oder beginnen ein anderes Spiel. Dadurch erleben die Kinder schneller kleine Erfolge.

 

Wie schaffen Sie es, dass die Kinder motiviert bleiben?
Zweimal im Jahr testen wir die Kinder und Jugendlichen aus unseren Gruppen, messen Größe, Körpergewicht, ihre Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer. Wir beobachten, dass sie sportlicher und insgesamt beweglicher werden. Sie finden ihre Rolle im Team und werden selbstbewusster. Das motiviert sie.

 

Was können Eltern dafür tun, dass sich ihre Kinder mehr bewegen?
Eltern sollten einen bewegten Lebensstil vorleben und gemeinsam draußen etwas unternehmen: zum Beispiel auf dem Hof Ball spielen oder als Familie kleine Rad- und Wandertouren machen. Sie können auch zu Aktivitäten ermutigen – sei es inlineskaten oder mit Kreide auf der Straße malen.

 

Was können Sie noch empfehlen?
Ganz wichtig ist es, den Medienkonsum der Kinder einzuschränken, denn das ist einer der Gründe für Bewegungsmangel. Darüber hinaus sind Eltern bei der Ernährung Vorbilder. Dabei ist es nicht nur wichtig, was auf den Tisch kommt, sondern auch, ob es gemeinsame und regelmäßige Mahlzeiten zu Hause gibt.

 

Zur Ausgabe AOK Gesundheitsmagazin Nordost, 3/25, S.14