Medienspiegel 2022
Zuschuss von der Krankenkasse
Stiftung Warentest, 18. Januar 2022
Eine sportmedizinische Untersuchung vor einem Trainingsstart ist sinnvoll. Viele Krankenkassen bezuschussen die teuren Checks. So gehen Sie vor.
Das Wichtigste in Kürze
So bezahlt die Kasse einen sportmedizinischen Check:
Leistung. Derzeit bieten 46 Krankenkassen aus unserem Krankenkassenvergleich Zuschüsse zu einer sportmedizinischen Untersuchung als Extraleistung an.
Voraussetzung. Um die Leistung in Anspruch zu nehmen, müssen Sie in der Regel Vertragsärzte Ihrer Krankenkasse aufsuchen, welche die Zusatzbezeichnung Sportmedizin haben. Ihre Kasse nennt entsprechende Adressen. Sie zahlen die Rechnung zunächst selbst und reichen diese später bei Ihrer Krankenkasse zur Erstattung ein.
Untersuchung. Zum sportmedizinischen Check gehören eine Anamnese der Krankengeschichte, Untersuchungen von Bewegungs- und Stützapparat und oft ein Ruhe-Elektrokardiogramm (EKG). Manchmal sind aus ärztlicher Sicht weitere Untersuchungen wie Belastungs-EKG, Lungenfunktionsprüfung oder Laktatbestimmung notwendig. Abschließend besprechen Arzt oder Ärztin die Befunde und geben Tipps für das geplante Training.
Sinnvoll für fast jeden Hobbysportler
Mit Sport kann jeder typischen Zivilisationskrankheiten entgegenwirken. Nach einer längeren Pause von null auf hundert mit dem Marathon- oder Hanteltraining loszulegen, ist jedoch nicht ratsam. Bei unvorbereitetem Trainingsstart drohen etwa Verletzungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Vor einer Änderung der Trainingsroutine sind die sportärztlichen Untersuchungen empfehlenswert – für passionierte Hobbysportlerinnen genauso wie für Untrainierte und Vorerkrankte. Ziel ist es, gesundheitlichen Sportrisiken vorzubeugen und Tipps für geeignete Sportarten und den passenden Trainingsumfang zu erarbeiten. Laut Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) liegen die Kosten für die sportmedizinischen Untersuchungen meist zwischen 70 und 200 Euro.
Krankenkassen zahlen Zuschüsse
Viele Krankenkassen unterstützen ihre Versicherten und bezuschussen sportmedizinische Check-ups im Rahmen ihrer Extraleistungen. Derzeit sind es 46 Krankenkassen – das ist mehr als die Hälfte der Kassen, die bei unserem Krankenkassenvergleich mitmachen. Die Höhe der Zuschüsse liegt zwischen 30 und 750 Euro. Manchmal wird der Zuschuss auch von einem Budget abgezogen, das für mehrere Extraleistungen genutzt werden kann. Einige Kassen zahlen den Zuschuss jährlich, andere in größerem Abstand.
Das untersucht die Sportmedizinerin
Den Fitness-Check führen in der Regel speziell ausgebildete Sportmediziner und Sportmedizinerinnen durch. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) umfasst der Check-up folgende Leistungen:
- Anamnese (Abfragen von Vorerkrankungen)
- Gesundheitsuntersuchung
- EKG in Ruhe und in Belastung
- Echokardiografie (Herzecho)
- Blutwerte
- Lungenfunktion/Spirometrie (kleiner Lungenfunktionstest)
- Leistungsdiagnostik
- Befundbesprechung mit Trainingsempfehlungen
Wichtig: Wie genau der Ablauf des Sportchecks aussieht, hängt vom Gesundheitszustand der versicherten Person ab. Außerdem zahlen Krankenkassen nicht immer alle der aufgeführten Tests und Untersuchungen.
Beispiel TK
Die größte Krankenkasse Deutschlands, die TK, gewährt den Zuschuss zu einer sportmedizinischen Untersuchung beispielsweise alle zwei Jahre mit maximal 120 Euro. Übernommen werden pro Rechnung 80 Prozent der Gesamtkosten. Zur Basisuntersuchung gehören bei der TK eine Anamnese der Krankengeschichte und Untersuchungen der Brust- und Bauchorgane sowie des Stütz- und Bewegungsapparates. Auch ein Ruhe-Elektrokardiogramm (EKG), mit dem sich zahlreiche Herzerkrankungen feststellen lassen, wird im Rahmen des Sportchecks bezuschusst. Zum Abschluss besprechen Ärztin oder Arzt die Befunde und geben Tipps für das geplante Training.
Sind aus ärztlicher Sicht zusätzliche Untersuchungen notwendig, zahlt die TK auch für einen erweiterten Check-up mit Belastungs-EKG, einer Lungenfunktionsprüfung und einer Laktatbestimmung. Der Laktatgehalt des Blutes gibt Ärzten Aufschlüsse über den Trainingsgrad ihrer Patientinnen und Patienten.
Voraussetzungen für den Zuschuss
Laut ihren Satzungen knüpfen die Kassen ihre Zuschüsse zum sportmedizinischen Check meist an bestimmte Voraussetzungen. So müssen bei den Versicherten manchmal individuelle Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht vorliegen. Wenn neben einer ersten Untersuchung noch eine erweiterte Trainingsdiagnostik notwendig ist, muss diese häufig ärztlich begründet werden. Eine Notwendigkeit für weitere Untersuchungen kann etwa vorliegen, wenn Patienten Vorerkrankungen des Bewegungsapparats oder Bluthochdruck haben.
Nur bei Sportmedizinern der Kasse
Wer den Zuschuss von seiner Kasse zur sportmedizinische Untersuchung möchte, muss grundsätzlich einen Vertragsarzt der Kasse mit der Zusatzbezeichnung „Sportmedizin“ aufsuchen. Die meisten Krankenkassen stellen im Internet oder auf Anfrage eine Liste mit entsprechenden Sportmedizinern zur Verfügung. Die Bezeichnung Sportmediziner erhalten meist Fachärzte der unmittelbaren Patientenversorgung, die dafür unter anderem an speziellen Fortbildungen teilnehmen, zeitweilig bei Sportvereinen tätig werden und eine Prüfung vor der jeweiligen Landesärztekammer ablegen müssen.
Es kann auch ratsam sein, vorab mit den Medizinern zu klären, in welchem Umfang die Untersuchung durchgeführt werden kann, denn nicht jeder Sportmediziner bietet in seiner Praxis die gesamte Palette sportmedizinischer Diagnostik und Therapie. So kann etwa nicht jeder Belastungs-EKG durchführen.
Kassenwechsel wegen Sport-Check-up
Bietet die eigene Krankenkasse keinen Zuschuss zu einer sportmedizinischen Untersuchung, können Versicherte zu einer anderen gesetzlichen Kasse wechseln. Ein Kassenwechsel lohnt jedoch nur, wenn jemand mit seiner Kasse unzufrieden ist oder nach günstigeren Beitragssätzen und weiteren Extras sucht.
Wer Aufschluss über seine allgemeine Fitness bekommen möchte und von seiner Kasse nichts zur sportmedizinischen Untersuchung dazubekommt, kann alle drei Jahre den Gesundheits-Check-up bei Hausarzt oder Hausärztin als reguläre Kassenleistung nutzen. Das gilt für alle ab 35 Jahren. Ab 18 Jahren ist ein einmaliger Check möglich. Bei dieser Vorsorgeuntersuchung prüft die Ärztin die Krankengeschichte des Patienten und untersucht auch Blut- und Urin des Versicherten. Im Anschluss gibt sie Empfehlungen für einen gesunden Lebensalltag.
Quelle: https://www.test.de/Sportmedizinische-Untersuchung-Zuschuss-von-der-Krankenkasse-5839694-0/