rbb PRAXIS, 16. Januar 2013
Beitrag rbb PRAXIS, Rundfunk Berlin Brandenburg
Es ist schon seit einigen Jahren der Trend-Wintersport in den Alpen: Skitouren gehen – ohne Lift, dafür mit eigener Muskelkraft – stundenlang hoch auf den Berg, um anschließend die rauschende Abfahrt zu genießen. Doch der Trendsport ist nichts für Untrainierte. rbb PRAXIS-Reporter Benjamin Kaiser macht den Selbstversuch.
Wer die Berge, körperliche Betätigung, den Schnee und die Ruhe liebt, für den könnte Skibergwandern genau das richtige sein. Bei dem neuen Trendsport ist man wie beim alpinen Skivergnügen auf Skiern und im Schnee unterwegs. Skiwanderer bewegen sich jedoch abseits der präparierten Pisten und brauchen keine Skilifte.
Der Sport ist seit etwa zehn Jahren verstärkt im Kommen. Aktuell sollen hierzulande über 300.000 Alpinisten regelmäßig auf Tourenski steigen. Noch deutlicher ist die Entwicklung in Österreich: Hier verdoppelte sich die Anzahl der Skitourengeher innerhalb der letzten zehn Jahre auf rund 500 000.
Doch wer sich die Felle unterschnallt, sollte gut vorbereitet sein, in Sachen Ausrüstung, aber auch körperlich. Bei einem Sportmediziner sollten vor der ersten Skitour die Herztöne, Lungenfunktion, der Beckenstand, Hüft- und Kniegelenke und der Zustand der Bänder und Sehnen gecheckt werden. Bergskiwandern ist eine Extrembelastung und um ein Vielfaches höher als beim reinen Abfahrtski. Für chronisch kranke Menschen kann ein Leistungstest beim Sportarzt daher lebensrettend sein.
Zuschüsse zur sportmedizinischen Untersuchung zahlt seit einiger Zeit die Techniker Krankenkasse. Die BKK REW übernimmt die Kosten ganz. Man nimmt jedoch an, dass im Zuge der "Präventionsstrategie" des Bundesgesundheitsministeriums weitere Krankenkassen eine solche Kostenübernahme anbieten werden. Es lohnt sich deshalb, bei seiner Kasse nachzufragen.
Wahrscheinlich ist das Verletzungsrisiko beim Skitourengehen ein wenig geringer, als beim alpinen Skisport. Denn der Skitourengeher fährt erst nach Stunden ab, seine Muskulatur ist ausreichend durch den Aufstieg aufgewärmt. In der Regel fährt er zudem am Tag nur ein- oder zweimal ab und damit wesentlich seltener als beim Alpinski.
Dennoch ist das Risiko, beispielsweise für eine Knieverletzung, relativ hoch: Denn oft wird im Tiefschnee gefahren, wo besonders hohe Kräfte auf Knie und Bänder wirken. Für solche Abfahrten ist in jedem Falle eine sehr gute Abfahrtstechnik notwendig, aber auch eine gute Ausdauer und ausreichend Muskelkraft in den Beinen, vor allem im Bereich der Kniegelenke.
Natürlich ist der Skiwanderspaß am größten, wenn Sportler sich vorher mit Skigymnastik im Fitnessstudio und mit kleinen Wandertouren vorbereiten. Empfohlen werden jeden zweiten Tag zwanzig Minuten Gymnastik.
Die geeignete Ausrüstung besteht aus Tourenski und Skitourenskischuhe, Stöcken, Eispickel, Seile, Steigeisen, Harscheisen sowie Equipement für die Sicherheit. Dazu zählen das Lawinenschüttsuchgerät, die Lawinenschaufel und Sonde, ein Funkgerät oder Handy, das Erste-Hilfe-Paket und ein Biwaksack. Die ganze Lawinen-Ausrüstung bringt aber nichts, wenn man allein unterwegs ist. Denn niemand kann sich im Notfall selbst ausgraben. Deshalb gilt: Immer in einer Gruppe losziehen. Vor allem Unerfahrene sollten nie allein in freies Gelände aufbrechen. Auf einem Skitourenlehrpfad sind viele andere Tourengeher unterwegs.
Am Anfang sollte man mit kurzen Touren beginnen. Wichtig außerdem: sich genügend Kraft für die Abfahrt aufzusparen. Wie beim Alpinski ist es sinnvoll, nach den ersten zwei Tagen einen Ruhetag einzulegen. Denn da ist die Verletzungsgefahr erfahrungsgemäß am größten.
Wer Skitourengehen erst einmal ausprobiert, kann sich die Ausrüstung für die Tour von einem Skiverleih mieten. Bis die richtige Aufstiegstechnik gelernt ist, vergehen ein paar Stunden, doch spätestens, wenn man seinen ersten Gipfel erreicht hat, ist jeder Skibergwanderer glücklich.
Experte im Beitrag:
Dr. Robert Margerie
Facharzt für Sportmedizin
Sport- Gesundheitspark Berlin
Clayallee 225 C (ehem. Landesinstitut für Sportmedizin)
14195 Berlin-Zehlendorf
Tel.: 030 - 818120/-511
Im Zentrum für Sportmedizin liegen die Kosten für eine sportmedizinische Untersuchung wischen 108,-- Euro und 136,-- Euro.
Bericht: Benjamin Kaiser
Infotext: Beate Wagner
Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 16.01.2013 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.