Sport in Berlin , 18. Dezember 2023 (06/2023)

vom Landessportbund Berlin (Interview: Angela Baufeld)

Keine Tabus, aber Freeclimbing muss nicht sein

Anke von Popowski, Diplom-Sportwissenschaftlerin, Sport-Therapeutin und Trainerin beim Sport-Gesundheitspark Berlin e. V., sagt, welcher Sport speziell für ältere Menschen gut ist und was sie beachten sollten. 


Welcher Sport ist für ältere Menschen geeignet?
Grundsätzlich ist beinahe jede Sportart denkbar. Es gibt keine Tabus. Entscheidend sind die persönliche Bewegungsbiografie und die gesundheitlichen Voraussetzungen.

Welche Sportarten empfehlen Sie?
Walking, Nordic Walking, Pilates, Yoga, Fitness und Gesundheitssport – auch mit Geräten, Taijiquan und Qi Gong, Schwimmen und Wassergymnastik, Standup Paddling, Segeln, Rudern und Kanu, Tennis, Golf, aber auch Zumba. Viele Ältere machen auch Krafttraining – für den Muskelerhalt.

Wovon raten Sie ab?
Von Risikosportarten. Andererseits: Es gibt keine Tabus. Wer einen aktiven Lebensstill pflegt, kann auch Mountainbike fahren, warum nicht. Wer aber in seinem Leben nicht oder sehr wenig sportlich aktiv war, dem würde ich keine Sportart mit besonderer Sturzgefahr empfehlen. Einem Neueinsteiger mit 70- bis 75 sage ich nicht: Fang an mit Skateboarden oder Freeclimbing.

Wie geeignet sind Teamsportarten?
Grundsätzlich gilt: Wer früher Volleyball gespielt hat, kann im Alter weiterspielen - vielleicht mit angepassten Regeln, auf kleinerem Spielfeld, mit weicherem Ball. Im Sport-Gesundheitspark Berlin bieten wir keinen Teamsport an. Im Herzsport sind Bewegungsformen mit Wettkampfcharakter keine Option. Sofern ich als Trainerin meine Teilnehmenden gut kenne, können Spiele in der Gruppe im Gesundheitssport jedoch eine gute Ergänzung sein.

Welchen Sport wünschen sich ältere Menschen? Was erwarten sie?
Sie haben oft keine konkreten Vorstellungen. Viele machen aufgrund von Schmerzen die Erfahrung: Bewegung tut gut, bringt mehr Stabilität und Kontrolle über den Körper. Andere wollen sich beim Spielen mit den Enkeln fitter fühlen oder wieder belastbarer im Alltag und auf Reisen sein. Und: Empfehlungen aus dem Freundesund Bekanntenkreis geben oft den Anstoß. Dorthin zu gehen, wo sich bereits jemand Vertrautes gut aufgehoben fühlt, erleichtert den Einstieg.

Welchen Sport bietet der Sport-Gesundheitspark Berlin an?
Unser Angebot ist sehr vielfältig: Die beliebtesten Gruppen sind das Gesundheitstraining und das medizinische Krafttraining. Daneben ist auch das Schlingentraining für die Stärkung der Tiefenmuskulatur sehr begehrt, auch Yoga und Pilates. Wer mit oder nach einer Erkrankung, wie Krebs, Diabetes oder Parkinson, besser damit umgehen möchte, findet ein Angebot. Von Herz- über Lungensport bis zu Schlaganfall-Nachsorge reichen unsere Kurse. Wir möchten den Menschen beim Sport positive Erlebnisse verschaffen, ihnen Spaß an der Bewegung vermitteln. Dabei beinhalten die Sportgruppen neben einem Part für das Herz-KreislaufTraining einen Teil zur Kräftigung und zum Erhalt der Beweglichkeit, wie auch zur Schulung des Gleichgewichts.

Wie alt sind die Ältesten?
Das Gros liegt bei 55 bis 75 Jahren. Viele stehen noch im Berufsleben, es gibt jedoch auch über 90-Jährige, die ihre Gruppe schätzen. Sollte jemand beim Transfer von der Matte in den Stand Hilfe benötigen, kann ein Hocker eine Unterstützung sein. Die Fitness hängt nicht immer vom Alter ab – die Persönlichkeit und der Umgang mit Anstrengung stellen den Rahmen dar.

Worauf sollten ältere Menschen achten, wenn sie mit Sport beginnen?
Auf jeden Fall auf die Qualifikation der Übungsleitenden, Trainerinnen und Trainer. Der Ausbildungsmarkt ist riesig. Außenstehende können oftmals nicht unterscheiden, was sich hinter einem Abschluss verbirgt: ein Wochenendlehrgang oder eine längere Qualifizierungsmaßnahme. Wichtig sind die berufliche Erfahrung der Trainerinnen und Trainer, ihr einfühlsamer Umgang und die individuelle Betreuung. Wer neu im Sport anfängt, möchte in seiner persönlichen Situation wahrgenommen werden und nicht in der Gruppe untergehen.

Was sollten Ältere beim Sport berücksichtigen?
Es ist ratsam, bequeme, atmungsaktive Kleidung zu tragen, ebenso wie Schuhe, die Halt geben, oder rutschfeste Socken. Sport für Ältere ist in der Regel kein Wettkampf: Ich muss nicht „so gut sein“ wie die anderen. Das eigene Wohlbefinden ist der Maßstab. Seinen Körper durch Bewegung besser kennenlernen, aber auch mal Pausen machen zu dürfen, die Angst zu verlieren, sind wichtige Aspekte. Sport wird oft mit Leistung assoziiert – im gesundheitsorientierten Sport ist dies vollkommen unangemessen. Wenn z.B. eine Übung mit dem Theraband zu schwer ist, darf es lockerer genommen werden. Bewegung darf nicht als bedrohlich empfunden werden.

Wie wichtig ist ein Sport-GesundheitsCheck?
Der Sport-Gesundheits-Check ist schon ab 35 Jahren zu empfehlen. Wer lange keinen Sport gemacht hat, sollte sich durchchecken lassen – z.B. mit einem Belastungs-EKG. Dies erst recht, wenn zum Beispiel beim Treppensteigen Schwierigkeiten auftreten, um festzustellen, welche sportliche Aktivität die richtige ist.

Weitere Infos über den Sport-Gesundheitspark mit allen Sportangeboten und der Übersicht der Gesundheits-Checks gibt es hier: www.sport-gesundheitspark.de

Hier geht's zum Interview (PDF, S. 16) 
Hier geht's zum Interview (externe Website, S. 16)

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