ZEIT ONLINE, 05. September 2023

von Christian Spiller

Der Bundeskanzler ist gestürzt. Der Sportmediziner Fernando Dimeo erklärt, wie man Unfälle beim Joggen vermeiden kann und warum laufende Politiker ein Fortschritt sind.
 
Fernando Dimeo ist Sportmediziner und Internist im Sport-Gesundheitspark Berlin. Er hat schon einige Verletzungen gesehen, seine Schwerpunkte sind die Präventivmedizin und die Rehabilitation und Training bei chronischer Erkrankung. Er arbeitete auch schon für das Medical Board des Berlin Marathon. Seine Marathon-Bestzeit: 2 Stunden, 19 Minuten
 

ZEIT ONLINE: Herr Dimeo, haben Sie sich erschrocken, als Sie das Bild von Olaf Scholz nach seinem Laufunfall gesehen haben?

Fernando Dimeo: Ja, sehr. Am Anfang dachte ich, es wäre eine Karikatur oder ein Meme, weil man eine solche Verletzung selten sieht. Aber dann habe ich den Zeitungen entnommen, dass es doch stimmt. Herr Scholz muss ziemlich heftig hingefallen sein.

ZEIT ONLINE: Der Kanzler sieht aus wie nach einer Schlägerei auf Schloss Meseberg. Wie kann so etwas beim Laufen denn passieren?

Dimeo: Das müssen Sie die Beteiligten fragen. Ich müsste auf jeden Fall sehr, sehr lange nachdenken, ehe mir ein Patient einfällt, der sich beim Joggen solche Verletzungen zugezogen hat. Bei anderen Sportarten schon. Beim Joggen eher nicht.

ZEIT ONLINE: Scholz sei gestürzt, hieß es.

Dimeo: Ich kann mir vorstellen, dass er auf unruhigem Gelände gestolpert ist, über eine Wurzel oder Ähnliches. Dabei muss er so heftig gefallen sein, dass er keine Zeit hatte, sich zu schützen und die Hände und Arme richtig auszustrecken. Was vielleicht auch besser war. Beim Abstützen besteht die Gefahr, sich das Handgelenk zu verletzen, gar zu brechen. Das wäre für den Bundeskanzler natürlich noch verhängnisvoller, als nur eine Augenklappe zu tragen.

ZEIT ONLINE: Man stützt sich eigentlich instinktiv ab. Aber kann man das irgendwie üben? Beim Judo wird ja auch als Erstes das Fallen trainiert.

Dimeo: Nein, das zu üben macht genauso wenig Sinn, wie zu üben, wie ich reagiere, wenn ich über die Ampel laufe und ein Auto nicht bremst. Es sind Unfälle, so was gehört zum Leben.

ZEIT ONLINE: Was sind typische Laufverletzungen?

Dimeo: Verletzungen durch Überbelastungen und falschen Trainingsaufbau. Wie Muskelzerrungen oder Kniebeschwerden. Aber dem kann man durch gute Planung vorbeugen. Wer aus dem Nichts versucht, zehn Kilometer am Stück zu laufen, wird das danach spüren. Sollte man lassen. Unfälle hingegen sind beim Joggen extrem selten.

ZEIT ONLINE: Aber es gibt sie. Wie kann man sie vermeiden?

Dimeo: Nicht über unstetes Terrain laufen, also in den Bergen oder über Laub im Wald. Das ist nicht ratsam. Dafür gibt es Wege.

ZEIT ONLINE: Asphalt ist wenig stolperträchtig, aber ist nicht so gut für die Gelenke. Beim Waldboden ist es genau umgekehrt. Welche Rolle spielt der Untergrund?

Dimeo: Das stimmt alles, aber ich möchte wirklich nicht, dass die Leute vermeiden, Sport zu treiben, weil sie stolpern könnten. Zu stolpern ist eine absolute Ausnahme. Alle Risiken kann man nicht ausschließen. Am unwahrscheinlichsten würde man beim Joggen auf der Autobahn stolpern, aber da fahren die Autos. Und man kann ja auch über die eigenen Füße stolpern.

ZEIT ONLINE: Gut, dann lag es vielleicht daran, dass der Kanzler angesichts der Weltlage den Blick in die Ferne hat schweifen lassen. Wo muss ich hinschauen beim Laufen?

Dimeo: Nach vorne natürlich, so etwa drei, vier, fünf Meter. Aber nochmal: Joggen gehört zu den gesündesten, sichersten und unfallunwahrscheinlichsten Sportarten. Bei manchen Sportarten sind Verletzungen eingepreist. Beim Joggen nicht. Um sich beim Ausdauersport was Böses anzutun, muss man einen Fehler gemacht haben.

ZEIT ONLINE: Was ist die schlimmste Laufverletzung, die Ihnen unterkam?

Dimeo: Handgelenksfrakturen gehören schon zu den krasseren Sachen. Ein Läufer wurde mal seitlich von einem Auto aufgebockt, aber es ist zum Glück nichts Schlimmes passiert. Bei einem anderen hat sich ein Hundebiss entzündet. Sonst Prellungen, Schürfwunden.

ZEIT ONLINE: Olaf Scholz ist nicht der erste Politiker, der sich beim Sporttreiben wehgetan hat. Angela Merkel hatte sich einst beim Skillanglauf verletzt. Haben Sie noch einen letzten Rat für sportelnde Politiker?

Dimeo: Zunächst einmal begrüße ich es sehr, dass Politiker Sport treiben. Ich erlebe eine neue, fit aussehende Generation von Politikern wie Emmanuel Macron, Pedro Sánchez aus Spanien und auch Herrn Scholz, der ja auch noch rudert. Wenn man sich noch an die rauchenden und übergewichtigen Politiker von früher erinnert, ist das auf jeden Fall ein Fortschritt. Da sind gelegentliche Unfälle eher hinzunehmen als die gesundheitlichen Probleme, die entstehen, wenn man keinen Sport treibt: Probleme mit dem Herzen, Bluthochdruck, Übergewicht, eine kranke Leber und so weiter.

ZEIT ONLINE: Aber?

Dimeo: Politiker sind sicher sehr ehrgeizige Menschen. Ich kann mir vorstellen, dass sie sich überfordern, wenn sie sich zu hohe Ziele stecken.

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