WELT, 4. Mai 2023

von Lars Gartenschläger

Ich bin 51 und will es noch einmal wissen

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Vor 20 Jahren lief ich einen Marathon. Nun soll Nummer zwei folgen. Nicht nur der Körper hat sich seitdem verändert, auch meine Lebensumstände. Das Training hat begonnen, und ich merke: Es wird hart. Aber erste Erfolge stellen sich ein. Begleiten Sie mich. 


Das Training ist vorbei. Knapp 40 Minuten hat es gedauert. Und ich frage mich, was ich hier eigentlich mache. Wofür? Wieso? Warum? Ich bin platt, fühle mich schlapp. Zehn Minuten habe ich mich eingelaufen, dann kam ein 30-minütiges Fahrtspiel. Fahrtspiel? Ja, ich kannte das auch nicht, bevor es mir die Trainerin, auf die ich noch eingehen werde, erklärt und in den Trainingsplan eingebaut hat. Ich bin also nach dem Einlaufen drei, vier Minuten locker weitergelaufen, habe dann Fahrt aufgenommen, bin zurück in den normalen Rhythmus, um dann erneut Fahrt aufzunehmen. Vor vier Wochen habe ich angefangen, für den Marathon am 24. September in Berlin zu trainieren. Ein gutes halbes Jahr vorher, sagen Experten, sollte man mit dem Training für die 42,195 Kilometer lange Strecke beginnen. Einmal habe ich diese Distanz schon zurückgelegt, aber das ist lange her: im Seprember 2003. Vier Stunden und 28 Minuten brauchte ich damals. 31 war ich damals.

Nun, nach 20 Jahren, möchte ich es noch einmal wissen. Ich bin, richtig gerechnet, 51 und würde behaupten, dass ich sportlich bin. Ich laufe regelmäßig zwei-, dreimal in der Woche, immer zwischen fünf und acht Kilometer. Ich trainiere zusätzlich die Tiefenmuskulatur und mache seit vier Jahren einmal pro Woche Yoga. Auch wenn der Weg zu meinem ersten Marathon damals ein harter, zeitintensiver war und ich danach lange keine Lust verspürte, diesen langen Trainingsweg ein weiteres Mal zu gehen, reizt es mich nun doch noch mal.

 

Ankommen, Selbstüberwindung, ein Ziel eben

Ich muss mir nichts beweisen, denn ich habe es ja schon einmal geschafft. Ich muss mich auch nicht selbst verwirklichen, mir geht es gut, ich bin zufrieden. Aber ich bin Sportler, im weitesten Sinne. Ich schreibe über Sport — und ich treibe Sport. Was Sportler beim Sport eint, sind Ziele. So unterschiedlich diese auch sein mögen. Das Ankommen, eine persönliche Bestleistung, Selbstüberwindung, ein Platz auf dem Podium, ein Sieg, ein Titel, Ein Ziel eben. Und natürlich: der Weg zu einem Ziel. Ab jetzt laufe ich eben nicht mehr nur der Fitness wegen, ich will den Marathon (noch einmal) schaffen. Und wer weiß, vielleicht breche ich ja irgendwann ab und lasse das Ganze sein. Mal schauen.

Nur eines weiß ich: Die Zeit, die ich für das Projekt Marathon habe, ist knapper bemessen als vor 20 Jahren. Ich bin verheiratet und Vater eines zehn Jahre alten Sohnes, da gilt es auch, Rücksicht auf Bedürfnisse anderer zu nehmen, sich einzubringen, sich zurückzunehmen.

Als ich beschloss, noch einmal einen Marathon zu laufen, kam mir die Idee, das Projekt professionell begleiten zu lassen. Damals, 2003, hatte ich mir einen Trainingsplan aus dem Internet gezogen und einfach losgelegt. Dieses Mal habe ich mich an den SCC Berlin, den Veranstalter des Marathons gewendet und von meinem Vorhaben berichtet. Ich stieß auf offene Ohren — und schließlich auf Angela Hänsel. Sie ist diplomierte Sportwissenschaftlerin und ehemalige Leistungssportlerin. Sie war Schwimmerin, dazu Mittelstreckenläuferin. Seit mehreren Jahren liegt ihr Arbeitsschwerpunkt im Projektmanagement, der medizinischen Leistungsuntersuchung sowie der sportwissenschaftlichen Beratung. Sie ist also vom Fach.

Als wir uns erstmals treffen, stellt sie Fragen und klärt damit grundsätzliche Dinge ab. Wie oft ich pro Woche laufe? Wie lange? Am Ende empfiehlt sie mir, ein Belastungs-EKG zu machen, bevor ich mit dem Training beginne oder es danach vielleicht gar nicht beginne, weil sich möglicherweise herausstellen sollte, dass ich nicht geeignet bin.

 

Das regelmäßige Laufen steht im Fokus
"Wir empfehlen für alle Sportler mindestens alle zwei Jahre eine Gesundheitsuntersuchung, Diese sollte in jedem Fall ein Ruhe- und Belastungs-EKG beinhalten, idealerweise noch eine Lungenfunktion sowie eine orthopädische und internistische Untersuchung“, erklärt Angela Hänsel. „Dabei“, ergänzt sie, „sollen Erkrankungen und potenzielle Risiken für die sportliche Aktivität ausgeschlossen werden. Die meisten Erkrankungen, wie beispielsweise Bluthochdruck, merkt man nicht. Außerdem wird geschaut, ob das Herz unter Belastung so arbeitet, wie es soll. Regelmäßiges Sporttreiben ist leider keine Gesundheitsgarantie, verschleppte Infekte beispielsweise kommen bei Sportlern durchaus auch vor. Mit der orthopädischen Untersuchung sollen potenzielle Verletzungsrisiken angeschaut werden.“

Drei Einheiten sind es, auf die ich wöchentlich komme, seitdem ich angefangen habe zu trainieren. Manchmal auch vier, aber die Vierte ist kein Muss. Auf die Zeit, also auf das Tempo pro Kilometer, kommt es in den ersten Wochen erst einmal nicht an. Die Kontinuität, das regelmäßige Laufen, steht im Fokus.

Wenn ich mit dem Training beginne, führe ich anfangs immer Selbstgespräche. Denn es sei wichtig, so der Rat meiner Trainerin, zu Beginn so entspannt zu laufen, dass man sich währenddessen mit einer anderen Person unterhalten kann. Und da ich allein unterwegs bin, rede ich eben mit mir selbst. Und so erzähle ich mir, was ich am Tag zuvor gemacht habe, was ich plane, wie ich dies oder jenes finde. Ich bin wirklich langsam unterwegs, laufe den Kilometer im Schnitt zwischen 6:30 und sieben Minuten. Ich kann behaupten, dass sich meine Ausdauer von Woche zu Woche verbessert hat. Die ersten Kilometer fallen mir leicht, es ist ein beschwingt gutes Gefühl.

Als Untergrund wähle ich Asphalt — also jenen Belag, auf dem ich den Marathon auch laufen werde. Die Fahrtspiele aber, die jede Woche einmal auf dem Programm stehen, absolviere ich meistens in einem Stadion, in dem ich etwas gelenksehonender auf einer weichen Tartanbahn laufen kann. Zudem ist es im Stadion einfacher, vom langsamen in den schnelleren Lauf zu wechseln — ich orientiere mich einfach an den 400-Meter-Runden. Bei meinem ersten Fahrtspiel, das ich noch in meiner Wohngegend gemacht habe, musste ich ständig auf die Uhr schauen, um zu wissen, wann ich das Tempo wechseln soll. Das nervte mit der Zeit.

Wenn ich trainiere, höre ich entweder einen Podcast oder bin einfach nur bei mir. Anfangs dachte ich oft an die sportärztliche Untersuchung und die Worte von Dr. Fernando Dimeo. Er arbeitet im Sport-Gesundheitspark, einem Zentrum für Sportmedizin, auf dem Gelände am Olympiastadion, und hat mich durchgecheck.

 

„Ein Check-up ist unabdingbar"
Zu Beginn schaute er sich meinen Körper an. Meine Knie, Arme, die Beine. Ich musste mich bücken, drehen, beugen. Er wollte sich ein Bild davon machen, ob normale Körperfunktionen wie das Beugen des Oberkörpers nach vorn gut funktionieren — und inwieweit mein „Halteapparat“ in Ordnung ist. Anschließend wurde mir Blut abgenommen, auch eine Urinprobe ließ ich da, ehe ich den Belastungstest absolvierte. Dafür wurde ich verkabelt, um die Herzwerte zu messen, während ich auf einem Fahrradergometer fuhr. Alle drei Minuten wurde die Wattzahl — also die Belastung, der Widerstand — erhöht. Es fing, na klar, leicht an. Aber am Ende, als 250 Watt eingestellt waren, musste ich passen. Nichts ging mehr. Meine Oberschenkel fühlten sich an, als würden sie gleich platzen. Nach dem Test sprach ich noch einmal mit dem Arzt.

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