NDR Visite, 14. Februar 2023

Osteoporose: Symptome früh erkennen und behandeln

An Osteoporose leidet in Deutschland geschätzt jeder vierte Mensch über 50 Jahre. Allerdings bleibt der Knochenschwund häufig unerkannt und wird nicht richtig behandelt. Es gibt Symptome, die Anzeichen für die Krankheit sein können.

 


Osteoporose, der verstärkte Abbau der Knochenmasse, tritt bei etwa acht Millionen Menschen in Deutschland auf. Experten gehen allerdings davon aus, dass nur zehn Prozent der Betroffenen, die mit Knochen- oder Wirbelbrüchen aufgrund von Osteoporose in einer Klinik behandelt werden, auch die richtige Diagnose erhalten. Bei vielen werden die Brüche nur operiert und sie werden ohne Ursachenforschung wieder nach Hause geschickt. Die Betroffenen wissen daher gar nichts von ihrer Erkrankung. Sie kommen mit immer neuen Brüchen und werden wie bei den vorherigen nur operiert.

Die wichtigsten Symptome bei Osteoporose

Knochenschwund kann sich als akut auftretende, anhaltende Rückenschmerzen zeigen. Hellhörig werden sollte man spätestens dann, wenn Knochen wie aus dem Nichts brechen, ohne große Krafteinwirkung. Die Ärzte sprechen von "Niedrig-Energie-Brüchen". Wirbelkörper können sogar völlig unbemerkt und ohne Schmerzen brechen. Ganz typisch sind auch Radiusfrakturen: Dabei bricht die Speiche am Handgelenk - oft ohne schweren Sturz.

Weitere Anzeichen für Knochenschwund sind:

  • Akut auftretende, anhaltende Rückenschmerzen
  • Größenverlust um mehr als vier Zentimeter innerhalb eines Jahres
  • Sehr niedriges Körpergewicht oder ungewollter Gewichtsverlust um mehr als zehn Prozent
  • Verringerung des Rippen-Becken-Abstandes auf unter zwei Finger Breite.


Gezielte Therapie bei Osteoporose nötig

Auch wenn die Diagnose Osteoporose gestellt wurde, ist die Behandlung oft nicht spezifisch genug. Nur 20 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Osteoporose werden richtig mit Therapien und Medikamenten versorgt. Viele Betroffene bekommen nicht mehr als Vitamin D. Aber die Osteoporose-Behandlung muss genau auf die Krankheit abgestimmt werden und vor allem auch viel früher anfangen – bevor Brüche entstehen.

Ursache von Osteoporose: Veränderungen im Knochenstoffwechsel

Knochen bestehen aus einem Eiweißgerüst, in dem die Mineralstoffe Kalzium und Phosphor eingelagert sind - das verleiht ihnen die Härte. Sie sind allerdings auch bei Erwachsenen nicht ausgewachsen und fertig, sondern ständig im Umbau. Die Umbauarbeiten am Knochengewebe übernehmen spezielle hormongesteuerte Zellen (Osteoblasten und Osteoklasten). Bis etwa zum 30./35. Lebensjahr überwiegt die Verdichtung des Knochens, anschließend der Knochenabbau. Bei der Osteoporose sind die knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) deutlich aktiver als die knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten): Der Abbau geht zu schnell, der Knochen wird porös.

Diagnose des Knochenschwunds

Frauen ab 60 und Männer ab 70 Jahren sollten ihr Osteoporose-Risiko abklären lassen, ebenso wer zu einer der genannten Risikogruppen gehört. Mit einer Knochendichtemessung (DXA) lässt sich die Osteoporose binnen 20 Minuten diagnostizieren. Dabei durchleuchten Röntgenstrahlen in geringer Dosis die Lendenwirbelsäule und den Oberschenkelhals. Die bei der DXA-Messung ermittelte Knochendichte wird als sogenannter T-Wert angegeben. Er beschreibt, um wie viele Einheiten die gemessene Knochendichte von der abweicht, die man für eine 30-jährige Person als Standard angenommen hat.

Bei einem T-Wert zwischen 0 und -1 ist die Knochendichte normal. Bei einem T-Wert zwischen -1 und -2,5 spricht man von einer verringerten Knochendichte (Osteopenie). Bei einem T-Wert von -2,5 und weniger liegt eine Osteoporose vor. Wenn es bereits einen oder mehrere Brüche gegeben hat, spricht man von einer manifesten Osteoporose.

Die Krankenkasse zahlt eine Knochendichtemessung meist nur, wenn die Diagnose Osteoporose schon vorliegt. Experten kritisieren das, denn die Untersuchung ist ja gerade ein wichtiges Werkzeug, um Osteoporose festzustellen und so Knochen zu retten. Für Selbstzahler kostet die Messung circa 50 bis 60 Euro. Eine Knochendichtemessung per Ultraschall – wie sie oft von Frauenärzten als IGel-Leistung angeboten wird – ist zur systematischen Osteoporose-Früherkennung nicht geeignet. Gegen den Knochenschwund kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Immens wichtig sind außerdem - auch vorbeugend – eine kalziumreiche Ernährung und regelmäßige Bewegung im Freien. Alle zwei Jahre sollte die Knochendichtemessung wiederholt und die Medikamenteneinstellung regelmäßig überprüft werden.

Ernährung bei Osteoporose: Viel Kalzium und Vitamin D

Täglich müssen dem Körper mindestens 1.000 Milligramm Kalzium zugeführt werden – bei Knochenschwund empfehlen Mediziner eine Tagesdosis von 1.300 Milligramm. Kalzium steckt in vielen Lebensmitteln, vor allem in fettarmen Milchprodukten, aber ebenso in Nüssen und Samen, in dunkelgrünem Gemüse wie zum Beispiel Grünkohl oder Brokkoli, Beeren, Kiwi und Trockenfrüchten, zudem in Sojaprodukten und kalziumreichen Mineralwassersorten. Damit Kalzium vom Körper gut aufgenommen werden kann, ist Vitamin D wichtig. Zwar lässt sich Vitamin D kaum in ausreichender Menge aus der Nahrung beziehen, dafür kann unser Körper es aber unter Einwirkung des natürlichen UV-Lichts selbst bilden und sogar Vitamin-D-Vorräte in der Leber einlagern. In Deutschland reicht die Sonneneinstrahlung allerdings nur im Sommer aus. Dann täglich an der frischen Luft bewegen, im Winter sollte Vitamin D über ein Präparat ergänzt werden.

Bewegung verbessert die Knochendichte

Bewegung spielt ohnehin eine zentrale Rolle, um die Knochendichte wieder zu verbessern. Wichtig ist vor allem die mechanische Stoßbelastung, die den Knochenaufbau stimuliert. Für Jüngere ist zum Beispiel Seilhüpfen geeignet, für Ältere forciertes Treppensteigen oder Walking - oder auch gezieltes Krafttraining unter Aufsicht im Fitnessstudio. Gezielte Bewegungstherapie stärkt die Muskulatur und Knochen in jedem Alter.

Behandlung mit Medikamenten und Spritzen

Daneben gibt es spezielle Medikamente, die in den Knochenstoffwechsel eingreifen. Neben Kalzium- und Vitamin-D-Präparaten werden vor allem sogenannte Bisphosphonate verschrieben. Sie hemmen die Osteoklastenaktivität und somit den Knochenabbau.

Reicht diese Wirkung nicht aus, können Mediziner inzwischen auch gentechnisch hergestellte Antikörper einsetzen, die die Bildung, Funktion und das Überleben der Osteoklasten stören. So lässt sich der Knochenschwund stoppen und vielleicht sogar ein wenig rückgängig machen. Ein weiterer Therapieansatz ist die Aktivierung der Osteoblasten mit einem ebenfalls gentechnisch hergestellten Wirkstoff aus der Gruppe der Nebenschilddrüsenhormone. Er wird einmal täglich gespritzt, soll den Knochenaufbau stimulieren und zusätzlich dafür sorgen, dass knochenstärkendes Kalzium aus der Nahrung oder aus Medikamenten besser aufgenommen wird.

Risikofaktoren für Osteoporose

Alkoholmissbrauch und Nikotin beeinträchtigen den Knochenstoffwechsel, ebenso bestimmte Medikamente, beispielsweise Magensäureblocker und Kortison. Bei rheumatoider Arthritis und anderen Rheuma-Erkrankungen beschleunigt sich häufig der Knochenschwund, weil die Entzündungen den Knochenabbau aktivieren. Eine oft übersehene Ursache für eine Osteoporose bei älteren Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion kann eine Überdosierung des Schilddrüsenhormons L-Thyroxin sein. Da der Bedarf an Schilddrüsenhormonen im Alter abnimmt, muss die Dosierung dieser lebenslangen Therapie von Zeit zu Zeit überprüft werden.

Werden die Knochen schon in jungen Jahren porös (juvenile Osteoporose), liegt ein Defekt im sogenannten wnt1-Gen vor. Ein Drittel der Osteoporose-Fälle sind erblich bedingt. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Risikofaktoren.

Osteoporose-Risikofaktoren bei Frauen:

Die letzte Menstruation liegt mehr als zehn Jahre zurück
Der Abstand zwischen der ersten und der letzten Menstruation beträgt weniger als 30 Jahre (späte erste Regelblutung oder frühe Wechseljahre)
Die Menstruation hat einmal für mehr als ein Jahr ausgesetzt
Eine Antihormonbehandlung wurde/wird durchgeführt (zum Beispiel bei Brust- oder Eierstockkrebs)
Mindestens ein Elternteil hatte einen Oberschenkelhalsbruch

Osteoporose-Risikofaktoren bei Männern:

Der Betroffene ist älter als 70 Jahre
Eine Antihormonbehandlung wurde/wird durchgeführt (zum Beispiel bei Prostatakrebs)
Ein Testosteronmangel liegt vor

Osteoporose-Risikofaktoren für beide Geschlechter:

Mehr als dreimonatige Einnahme von mindestens 7,5 mg Kortison pro Tag
Ein Knochen ist schon einmal ohne schweren Unfall oder Verletzung gebrochen
Heute oder früher über lange Zeit Übergewicht
Rauchen, Alkohol, zu wenig Bewegung
Krankheiten wie: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Diabetes, Rheuma, /fernsehen/sendungen/visite/schilddruese116_v-contentxl.jpgÜberfunktion der Schilddrüse oder der Nebenschilddrüsen, Blutarmut und Nierenfunktionsstörungen
Einnahme vieler Medikamente gleichzeitig
Einnahme oraler Steroide bei Asthma bronchiale oder anderen obstruktiven Lungenerkrankungen

Initiative will die Krankheit bekannter machen

Damit die Krankheit früher und schneller erkannt und auch gut behandelt wird, hat sich das Aktionsbündnis Osteoporose gegründet. Fachverbände und -gesellschaften wollen erreichen, dass die Krankheit stärker in den Fokus gerückt wird. Experten gehen davon aus, dass dann bis zu 50 Prozent der mehr als 700.000 osteoporotischen Brüche im Jahr vermieden werden könnten. Betroffene müssten nicht in die Klinik, chronische Schmerzen und eine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit im fortgeschrittenen Stadium könnten verhindert werden.

Expertinnen und Experten zum Thema

Prof. Dr. Ralf Oheim, National Bone Board (NBB) am UKE

Leitender Arzt
National Bone Board (NBB) am UKE
Nationales Centrum für seltene muskuloskelettale Erkrankungen (NCBD)
Institut für Osteologie und Biomechanik
Lottestraße 59
22529 Hamburg
www.uke.de


Prof. Dr. Andreas Kurth, Marienhaus Klinikum Mainz (MKM)

Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Direktor des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie
An der Goldgrube 11
55131 Mainz
(06131) 575 18 10
marienhaus-klinikum-mainz.de


Dr. A.-Katharina Doepfer, orthoGroup - Orthopädie im Hamburger Westen

Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, Kinderorthopädie
orthoGroup - Orthopädie im Hamburger Westen
Eidelstedter Platz 1
22523 Hamburg
(040) 57 19 87 19
www.ortho-group.de


Weitere Informationen

Aktionsbündnis Osteoporose
www.aktionsbuendnis-osteoporose.de

OSD Osteoporose Selbsthilfegruppen Dachverband e.V.
18.-März-Straße 23 a
99867 Gotha
(03621) 51 25 81
www.osd-ev.org

 

Quelle: https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Osteoporose-Symptome-frueh-erkennen-und-behandeln,osteoporose198.html

siehe Video ab Minute 4:03 

Stand: 10.02.2023 17:54 Uhr

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