rbb24, 8. Oktober 2021

Beitrag des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB)

Von Lynn Kraemer

 

Hedda Röschert lag sechs Wochen im Koma. Die 81-Jährige kämpft eineinhalb Jahre später noch immer mit den Langzeitfolgen ihrer Covid-19-Erkrankung. Mit Lungensport versucht sie wieder zu ihrer alten Leistungsfähigkeit zu kommen.

 


Als Hedda Röschert die Intensivstation nach ihrer Covid-19-Erkrankung verließ, wurde sie von den Pflegern "wie eine Prinzessin" verabschiedet. "Die waren auch stolz, mich durchgekriegt zu haben," sagt die 81-Jährige mit einem Lächeln. Röschert lag sechs Wochen im Koma. Eineinhalb Jahre später hat sie sich noch nicht vollständig erholt.

Röschert fällt es schwer, sich zu merken, welcher Tag oder Monat gerade ist. Noch größere Probleme macht ihr die Atmung. Ganz alltägliche Dinge wie das Treppensteigen lassen sich nicht mehr so leicht bewältigen. "Mir wird natürlich von verschiedensten Seiten gesagt: 'Was wollen Sie denn? In dem Alter ist das bei allen normal.' Für mich im Kopf natürlich nicht so," sagt die 81-Jährige. Sie habe ihr ganzes Leben lang Sport gemacht. Röschert spielte Tennis, fuhr Ski und war immer aktiv.

 

Training für die Lunge

Einmal pro Woche kommt sie in den Sport-Gesundheitspark Zehlendorf zum Lungensport. Der Kurs wurde für Menschen konzipiert, die besonders mit Atembeschwerden nach einer Covid-19-Erkrankung kämpfen. Das Angebot wird vor allem von älteren Menschen angenommen. "Wir haben bisher noch nicht sehr viele Patienten, die neu zu uns gekommen sind mit Corona, sondern wir haben bestehende Mitglieder, die Corona durchgemacht haben," erklärt Sven Alex, Leiter des Sportbereichs im Gesundheitspark.

 

Bisher gibt es noch keine eindeutigen Studienergebnisse, wie oft Long Covid auftritt. Während viele Experten von zehn bis 20 Prozent aller Infizierten ausgehen, liegen die Zahlen in anderen Studien deutlich höher [quarks.de; deutschlandfunk.de]. Zu den Long-Covid-Symptomen werden neben Atembeschwerden unter anderem Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Geruchs- und Geschmacksstörungen, kognitive Beeinträchtigungen und depressive Verstimmungen gezählt.

 

Zurück zu 100 Prozent

Die Trainingseinheit für eine bessere Tiefenatmung dauert eine Stunde und bringt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch zum Schwitzen. "Gerade hier im Lungensport finde ich es wichtig, die Teilnehmer auch an ihre Belastungsgrenzen zu führen. Da sie lernen müssen, auch mit einem Sauerstoffdefizit arbeiten zu können im Alltag", sagt Übungsleiter Guido Zörner.

 

Bei Hedda Röschert merke er, wie sich ihre Gang- und Standfestigkeit verbessere, sagt Zörner. Auch die koordinativen Fähigkeiten seien besser. Neben der wöchentlichen Sportstunde versucht sie sich auch zu Hause so viel wie möglich zu bewegen: "Ich laufe jeden Tag draußen", sagt sie, "egal, ob es regnet oder kalt ist."

 

Am Anfang kam Hedda Röschert noch mit Rollator zum Lungensport. Inzwischen nimmt sie ihn nur noch zum Einkaufen mit. Sie sei wieder bei 70 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit, so Röschert: "Ich kann mal wieder ohne Geländer die Treppe hochgehen. Das konnte ich sehr lange nicht." Doch das ist für sie nur ein Zwischenschritt. Die Ziele der 81-Jährigen sind ambitioniert: "Ich will mit 82 so sein wie 75. Da möchte ich hin."

Sendung: rbb UM6, 05.10.2021, 18 Uhr

Quelle: https://www.rbb24.de/sport/thema/corona/beitraege/2021/10/corona-sport-post-long-covid-gesundheit-reha.html

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