Berliner Morgenpost, 21. April 2020

 

Sportkurse für ältere Menschen und Reha-Patienten sind wegen der Corona-Krise ausgesetzt. Die Gruppe betrifft das besonders hart.

Dietmar Wenck


Berlin. Wenn Peter Hanisch aus seinem Büro im Olympiapark blickt, kann er den Profis von Hertha BSC beim Training zuschauen. Es freut ihn zu sehen, dass die jungen Männer seit Kurzem wieder ihren Sport im Freien betreiben dürfen. Allerdings ist es weniger der Bundesligafußball, der ihn umtreibt. Hanisch sehnt etwas anderes herbei: „Ich wünsche mir, möglichst bald wieder Angebote für unsere Seniorinnen und Senioren machen zu können.“ Er fordert, „dass unser Verein mit Augenmaß und unter Einhaltung der hygienischen Vorschriften wieder öffnen darf. Sportliche Bewegung gehört auch aus gesellschaftlicher Verantwortung zum Leben dazu.“

Hanisch ist Präsident des Sport-Gesundheitsparks Berlin, eines Vereins, der sich vor allem um Bewegung für ältere Menschen kümmert. Allerdings nicht ausschließlich. Rund 300 übergewichtige Kinder und Jugendliche engagieren sich im Projekt Fidelio. Sie ziehen den Altersdurchschnitt auf 68 Jahre herunter. Viele hier sind über 80 – wie ihr 84 Jahre alter Vorsitzender.

Seit der Gesundheitspark im Dezember 1988 gegründet wurde, ist er auf mehr als 7000 Mitglieder gewachsen, zählt zu den zehn größten Vereinen in Berlin. Nicht mitgerechnet sind 800 Rehabilitations-Patienten, die hier eine Chance erhalten, nach Rückschlägen wie Kreuzbandrissen, Infarkten oder Krebserkrankungen wieder in Form zu kommen. Nun sitzen sie alle zu Hause – fast 8000 Menschen, die etwas für ihre Fitness und Gesundheit tun wollen.


Eine Erfolgsgeschichte – bis das Coronavirus kam

Bis das Coronavirus alles durcheinanderbrachte, war die Entwicklung des Sport-Gesundheitsparks eine reine Erfolgsgeschichte. Der Sportärztebund, die Ärztekammer, Freie Universität und Landessportbund schlossen sich 1988 zu einer Berliner Modellorganisation zusammen. Ihr Angebot sollte höchsten wissenschaftlichen und medizinischen Ansprüchen genügen. Das wurde in die Tat umgesetzt.

Im Verein gibt es an mittlerweile fünf Standorten in der Stadt rund 900 Trainingsgruppen. Das Angebot reicht über Pilates, Rückentraining, Wassergymnastik bis zu Standardtanz. Keine Gruppe hat mehr als acht bis zehn Teilnehmer. Für ihre Anleitung sind 80 festangestellte diplomierte Trainer und Trainerinnen zuständig, dazu 150 Honorarkräfte. Die meisten Mitglieder haben von ihren Ärzten die Empfehlung bekommen, sich sportlich zu betätigen und einem Verein anzuschließen. Bevor man sie einer Gruppe zuordnet, werden sie untersucht und ihren Fähigkeiten entsprechend eingestuft. Ohnehin stehen die Sportler hier unter ständiger medizinischer Beobachtung.


Festangestellte auf Kurzarbeit, Honorarkräfte ganz ohne Einkommen

Doch nun weiß Hanisch nicht, wie es weitergehen soll. Als im März die Politik wegen der Coronavirus-Pandemie Kontaktverbotsmaßnahmen beschloss, kam auch der Gesundheitssport zum Erliegen. Eine Katastrophe für Reha-Patienten, deren langsame Zurückführung in eine normale Beweglichkeit durch lange Pausen unmöglich wird. Aber auch für die vielen Senioren, die nicht als Alternative mal eben im nächsten Park sich selbst überlassen joggen gehen können. Ihnen brechen außerdem oft die einzigen sozialen Kontakte weg, wenn sie nicht mehr zu ihrer Sportgruppe kommen können. „Wenn sie für längere Zeit aus- und eingesperrt wären“, sagt Hanisch, „wäre das für sie in physischer und psychischer Hinsicht der Knockout.“

Die Corona-Krise hat auch für andere im Verein Folgen. Die meisten der Festangestellten sind in Kurzarbeit geschickt worden, die Honorarkräfte haben gar kein Einkommen. Schriftliche und Onlineprogramme wurden für „Hometraining“ entwickelt – aber ein echter Ersatz für den gemeinsamen Sport ist das nicht. „Viele unserer Mitglieder“, erzählt Hanisch, „wussten gar nicht, zu welchen Leistungen sie noch fähig sind. Nach einigen Wochen spürten sie die Fortschritte und bekamen so neuen Lebensmut, weil sie Sport treiben.“

Für ihn nichts Überraschendes. Hanisch ist seit mehr als 50 Jahren ehrenamtlich im Sport tätig. Der einstige Polizeidirektor von Berlin war Präsident des Berliner Turnerbundes, des Berliner Leichtathletik-Verbandes und von 2000 bis 2009 Präsident des Landessportbundes Berlin. Er lief auch im hohen Alter noch den Berlin- und den Boston-Marathon.


Funktionäre wie LSB-Präsident Härtel erkennen die Gefahr

Jetzt ist er auf Hilfe angewiesen, um anderen zu helfen. „Wir wollen schrittweise wieder beginnen“, sagt Hanisch, „man kann vieles machen unter Beachtung der Hygieneregeln.“ Geräte wie Seile und Bälle desinfizieren, Abstand von mehr als 1,50 Meter halten, eigene Handtücher mitbringen, zu Hause duschen. Auch wenn es bisher erst 150 Austritte gab, sorgt sich der Präsident natürlich auch um seinen Verein, der einen Jahresetat von fünf Millionen Euro finanzieren muss. Neunzig Prozent der Einnahmen stammen aus Mitgliedsbeiträgen.

Rückendeckung aus dem Sport bekommen der Gesundheitspark und andere in diesem Bereich aktive Vereine bereits. So sagt Thomas Härtel, Präsident des Landessportbundes Berlin: „Die flächendeckende Versorgung von Senioren, Menschen mit Behinderung sowie chronisch Erkrankten ist aktuell bedroht. Es besteht die Gefahr, dass das System der Rehabilitationssport-Anbieter zusammenbricht.“

Dem pflichtet Özcan Mutlu bei, der Präsident des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes Berlin: „Diese Personengruppen haben nun keinen Zugang mehr zur Versorgung mit Bewegung und keine Möglichkeit der sozialen Teilhabe im Alltag.“ Je schneller die Politiker gerade diesen Vereinen entgegenkommen, desto besser. Denn um die Widerstandskräfte der Menschen, die dort Sport treiben, geht es ja auch beim Kampf gegen das Coronavirus.

 

Quelle: https://www.morgenpost.de/berlin/article228945333/Sport-Gesundheitspark-Berlin-in-Noeten.html

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