Berliner Morgenpost, 24. Januar 2019

Es ist kalt geworden in Berlin. Das stellt einen gleich vor mehrere Probleme.
Alles Wissenswerte zum richtigen Umgang mit der Kälte.

 


Berlin. Auf das Schneechaos folgt die Kältewelle. In der Nacht zum Montag wurden im Erzgebirge Minus 18,4 Grad Celsius gemessen. Auch in den nächsten Tagen bleibt es kalt, sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD).

Und obwohl der Winter nicht unerwartet kommt, sind viele nach den zumeist milden Temperaturen der letzten Wochen überrascht von der Kälte. Wie Sie Ihr Leben auf den Winter einstellen.


Die richtige Kleidung bei Kälte

Welche Kleidung bei Kälte die Richtige ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Ist es trocken, schneit es? Bewegt man sich oder sitzt in der Winterlandschaft? Für den Bürotag ist das Zwiebel-Prinzip noch immer unangefochten: Der Wechsel zwischen Draußen und Drinnen erfordert ein Schichtsystem aus mehreren Kleidungsstücken.

Für den Weg durch die Kälte bieten sich Daunenjacken oder Jacken mit Polyesterfüllung an, erklärt Lutz Vossebein von der Hochschule Niederrhein. „Die halten mit einer Luftpolster-Isolierschicht besonders warm“, sagt der Professor für Textiltechnologie, Textilprüfungen und Qualitätsmanagement.

Doch die Jacken mit Polyesterfüllung haben einen Nachteil: Die Aufnahmefähigkeit von Wasser ist bei Synthetikfasern gering, sagt Vossebein. Wer also schwitzt, wird nass. Dafür halten sie im Gegensatz etwa zu Baumwolle auch noch warm, selbst wenn sie nass sind.


Das muss man bei Sport im Winter beachten

Auch bei Minusgraden könne man als gesunder Mensch gefahrlos joggen gehen“, sagt Fernando Dimeo vom Zentrum für Sportmedizin in Berlin. Die Kälte belaste zwar den Körper stärker, das Training sollte daher etwas gedrosselt werden. Ansonsten sei das wie Schwimmen im Herbst: „Nicht gefährlich, nur anstrengender.“

Wichtig sei die richtige Kleidung, sagt der Sportmediziner. Optimal sei solche, die den Schweiß nach außen abgibt. Ansonsten sei man schnell durchnässt und drohe zu unterkühlen. „Dabei lieber mehrere dünne Schichten wählen als eine dicke.“

Wer sich jedoch so anziehe, dass er draußen nicht friert, habe zu viel an. Meist könne man das erst nach zehn Minuten einschätzen. Wem kalte Luft im Rachen wehtue, der könne ein Tuch vor dem Mund tragen.


So schützt man seine Haut vor Kälte

Wird es kälter als zehn Grad, verlässt die Haut ihre Komfortzone. „Je kälter es wird, desto stärker ziehen sich die Blutgefäße zusammen, um die Wärme zu halten“, erklärt die Kölner Dermatologin Dr. Uta Schlossberger.

Dann sei kein Stoffwechsel mehr möglich. „Ab minus fünf Grad produziert die Haut auch keinen Talg mehr, der schützende Fettfilm fehlt, die Haut wird trocken.“

Im Winter sollte man deshalb Folgendes beachten, um strapazierte Haut bei Kälte gesund zu halten: Finger weg von leichten Emulsionen und besonders wasserhaltigen Cremes, stattdessen gilt: Fett zuführen. „Cremes sollten zum Beispiel Urea, also Harnstoff enthalten, Panthenol oder Linolensäure“, sagt Schlossberger.

Verbraucher können auch auf die Aufschrift „Öl-in-Wasser-Emulsion“ achten. Von reinem Fett wie zum Beispiel Vaseline rät die Ärztin jedoch ab. „Das verstopft die Poren.“

Sie rät ihren Patienten, im Winter auch tagsüber eine Nachtcreme zu verwenden, die in der Regel einen höheren Fettgehalt hat.


So heizt man seine Wohnung richtig

Nie mehr morgens in ein eiskaltes Bad kommen, nie mehr Energie verschwenden, weil man vergessen hat, die Heizung beim Verlassen der Wohnung herunterzudrehen. Das versprechen Hersteller von smarten Thermostaten. Mit ihnen lassen sich Heizzeiten automatisieren und die heimische Temperatur per App vom Büro aus regeln.

Redakteure des IT-Magazins „c’t“ haben in der aktuellen Ausgabe (3/2019) fünf gängige Modelle getestet. Ihr Fazit: Alle Geräte tun, was sie sollen und bieten einen klaren Komfortgewinn. Ob man tatsächlich Heizkosten spart, hänge dagegen von vielen Faktoren ab.

Besitzer einer Fritzbox können etwa den AVM Fritz! DECT301 (ab 45 Euro) kaufen, er kommt ohne Basisstation aus. Im Vergleich am günstigsten und dennoch gut bedienbar ist der Devolo Home Control Heizkörperthermostat (ab 35 Euro).

Er benötigt eine Basisstation (ab 120 Euro), lässt sich aber auch mit vielen Stationen anderer Hersteller nutzen, etwa Amazons Echo Plus.

Doch auch ohne smarte Helfer lassen sich Heizkosten sparen – mit diesen Tipps und Tricks für eine warme Wohnung.


Auto- und Smartphone-Akkus richtig laden

Kalte Temperaturen sind insbesondere für Batterien ein Problem. Bei Kälte liefern sie nur einen Teil ihrer Leistung. Im Auto kann das bei älteren Autobatterien zu Startschwierigkeiten führen.

Häufiges Problem: Wird ein Fahrzeug nur auf Kurzstrecken bewegt, erzeugt die Lichtmaschine im Winter zu wenig Strom, um Licht, Gebläse, Heckscheibenheizung und weitere Funktionen zu betreiben und gleichzeitig die Batterie vollständig zu laden. Der ADAC rät deshalb, nur die Funktionen zu nutzen, die unbedingt nötig sind. Was Autofahrer sonst noch über Frost und Eis wissen müssen.

Auch im Smartphone sorgt die Kälte für Probleme: Ältere Geräte können sich unvermittelt abschalten, weil ihnen bei Kälte die Spannung nicht mehr ausreicht. Eine einfache Lösung: Gerät nicht in eine Außentasche stecken, sondern möglichst nah am Körper tragen.

Markus Grabowski, Teamleiter Technik bei der Handelskette Gravis, warnt vor Panikmache und überstürzten Handlungen in solchen Situationen: „Das frühzeitige Abschalten des Telefons bei einer zu niedrigen Temperatur ist zwar ärgerlich, aber ungefährlich und birgt auch keine Langzeitschäden für Telefon oder Akku“, so der Fachmann.

Wenn sich das Gerät ausschaltet, sollte es laut dem Experten erst einmal abgeschaltet bleiben. Nutzer sollten das Smartphone langsam wieder auf Zimmertemperatur kommen lassen – nicht aber das Handy auf die Heizung legen oder mit einem Fön aufwärmen.

 

von Jan Mölleken, Verena Müller und Laura Réthy

Quelle: https://www.morgenpost.de/ratgeber/article216266205/Kaelte-in-Deutschland-wichtige-Fragen-zum-Umgang-mit-Frost.html

 

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