Diesem Thema widmete sich das diesjährige Symposium des Zentrum für Sportmedizin Berlin (ZfS), das insbesondere immer dann wieder mediale Aufmerksamkeit erfährt, wenn es zum Tod eines bekannten Sportlers gekommen ist. Die sehr gut besuchte Veranstaltung am 19.11.2016 im denkmalgeschützten Kuppelsaal im Olympiapark setzte thematisch jedoch viel früher an.


Sie betrachtete in drei Blöcken breitbandig mit Sport einhergehende Risiken, zu denen ausgewiesenen Referenten aus Kardiologie, Psychiatrie, Sportmedizin und Orthopädie Stellung nahmen. Abgeschlossen wurde die Veranstaltung mit einer Podiumsdiskussion mit dem bekannten Sportjournalisten Hajo Schumacher („Achim Achilles“) zur Frage: Wann hört Sport auf, gesund zu sein?

Prof. Löllgen (Remscheidt) konnte die eingangs gestellte These „Schadet Marathonlaufen dem Herzen“ mit einem „Nein“ beantworten. Blutuntersuchungen und echokardiographische Befunde zeigen zwar deutliche, allerdings lediglich vorübergehende Zeichen einer kardialen Ermüdung, die bisher nicht bekannt waren. Dauerhafte Schäden wurden beim gesunden Herzen jedoch bisher nicht nachgewiesen. Allerdings besteht nach langjährigem intensivem Ausdauertraining ein geringfügig erhöhtes Risiko, eine spezielle Form der Rhythmusstörung (Vorhofflimmern) zu entwickeln, wie PD Dr. Leif-Hendrik Boldt (Charité) ausführte. Die Ursachen hierfür sind noch weitgehend unbekannt. Bei symptomatischen Patienten steht hier mit der Ablation eine wirkungsvolle therapeutische Möglichkeit zur Verfügung. Auch die bekannte Blutdrucksenkung durch Ausdauersport scheint sich bei hochintensivem Training abzuschwächen oder sogar umzukehren (Prof. Dr. Ketelhut, Berlin). Eine unvollständige Regeneration wird hier als Ursache diskutiert.

Das führte im zweiten Teil zur Frage, ob Sport Depressionen fördern könne. Prof. Reischies (Berlin) bezog sich auf die in der Öffentlichkeit bekannten Fälle von Leistungssportlern und sah gewisse Ursachen im latenten Konflikt zwischen Leistungsanspruch des Sportlers und der Erwartungshaltung der Öffentlichkeit. Eine extreme Variante ist die Sportsucht, die alle Zeichen einer Sucht wie Abhängigkeit selbst auf Kosten der Gesundheit zeigt (Dr. Ziemainz, Erlangen). Im Auditorium schätzten sich vorab fast 20% als sportsüchtig ein, während offizielle Daten allerdings nur von ca. 2% ausgehen. Da es sich hier jedoch um eine ernste Krankheit handelt, ist eine langfristige (sport-)psychotherapeutische Behandlung erforderlich. Um ein Übertraining sicher zu diagnostizieren, stehen leider nach wie vor keine harten Messwerte zur Verfügung, wie Prof. Wolfarth, Olympiaarzt und neuer Leiter der Sportmedizin an der Humboldt-Universität und Charité, betonte. Die klinische Erfahrung von Sportmedizinern und das Beachten wichtiger Symptome wie Leistungsstagnation trotz Training, gehäufte Infekte oder Schlafstörungen können Hinweise auf ein Übertraining sein. 

Dr. Margerie (ZfS, Antidoping Beauftragter des LSB Berlin) berichtete über die Häufigkeit des Dopings und des Medikamentenmissbrauchs mit unkalkulierbaren gesundheitlichen Risiken auch im Freizeit-Breitensport, während Frau Dr. Neuendorf vom Olympiastützpunkt Berlin kritisch Stellung zu der weit verbreiteten Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und der Empfehlung von „Low-Carb“- Kost auch für Sportler nahm. Abschließend konnte PD Dr. Kopf (Charité) die Zuhörerschaft dahingehend beruhigen, das auch Marathonlaufen nicht zu einer irreversiblen Knorpelschädigung (Arthrose) führt, wie MRT-Untersuchungen gezeigt haben. 

Hajo Schumacher fasste nach einer kurzweiligen und pointierten Diskussionsrunde zusammen mit Dr. Dimeo vom Zentrum für Sportmedizin schließlich die Quintessenz des Symposiums in einem Satz zusammen: „Wenn man aufhört auf seinen Körper zu achten und seine Signale ignoriert, dann hört Sport auf, gesund zu sein.

Dr. Folker Boldt

Zentrum für Sportmedizin Berlin

Die Vorträge bzw. Abstracts des von der Ärztekammer und mehreren Sportverbänden zertifizierten Symposiums sowie vorheriger Veranstaltungen der Reihe „Sport trifft Medizin“ finden Sie hier.

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