SPIEGEL Online, 21. März 2015

Kann man mit 160 Kilo Marathon laufen? Eher nicht. Deswegen möchte Michael Klotzbier abspecken. Das Ziel: Berlin-Marathon 2016. Der 35-Jährige will sich aber so wenig wie möglich quälen. Abnehmen mit Spaß - geht das?


Wer ist Michael Klotzbier?

Der Name klingt wie ein Witz. Doch Michael Klotzbier heißt wirklich so. Seine Freunde nennen ihn Micha. Er ist 35 Jahre alt, 1,83 Meter groß und wiegt 160 Kilo. Der Berliner will 2016 beim Berlin-Marathon mitlaufen - mit Betonung auf "Laufen". Ein ambitioniertes Vorhaben, da ihn schon ein paar Treppenstufen aus der Puste bringen. Selbst das Wiegen ist ein Hindernis: Im Januar 2015 zeigte die Waage statt Zahlen nur "OL" an - Overload. Zu schwer für die Waage - gibt es eine größere Demütigung? 

Warum will er ausgerechnet Marathon laufen?

Marathon war für Michael Klotzbier kein Thema - bis zur Fußball-WM 2014. Beim Public Viewing in der Kulturbrauerei in Berlin lernte Klotzbier einen Dänen kennen. Sie prosteten sich mit Bier zu, jubelten gemeinsam - und sprachen über Marathon. Der Däne, ein leidenschaftlicher Läufer, schlug ihm vor, sich doch 2016 wieder in Berlin zu treffen, beim Marathon. Auf der Strecke.

Von der Euphorie des Dänen angesteckt (und mit ein paar Litern Bier intus) sagte Klotzbier zu. Er wolle eh abnehmen, dachte er. Das Ziel Marathon könnte ihn motivieren, so war sein Plan. Manchmal sind Bierlaunen auch zu was gut. 

Warum ist Micha überhaupt so dick geworden?

Klotzbier ist eigentlich Fußballer. Als Jugendlicher träumte er von einer Profikarriere - zu recht. Er spielte in der hessischen Landesauswahl, trainierte fünf Mal die Woche. Er war fit, wog sportliche 80 Kilo und war durchtrainiert.

Dann kam die Zäsur: Mit 18 riss er sich das Kreuzband - natürlich beim Fußball. Nach Monaten harter Reha kämpfte er sich zurück, da riss das Kreuzband erneut. Die Ärzte rieten ihm, das Fußballspielen aufzugeben, "Klar, das war schon schade", sagt Klotzbier heute. Im Nachhinein sieht er das Positive: "So habe ich mich wenigstens auf Schule und Ausbildung konzentrieren können."

Micha hört nicht nur mit Fußballspielen auf, sondern lässt Sport gleich ganz bleiben. Statt zu laufen, lässt er sich gehen. Er isst, worauf er Lust hat. Frust habe er nicht gehabt, behauptet er. Aber Jahr um Jahr legt er an Gewicht zu. Der Gewichtshöchststand ist der Tiefpunkt. Im Januar 2015 wiegt Klotzbier 160 Kilo. 

Warum will er gerade jetzt abnehmen?

Dicksein ist peinlich. Zumindest gerät man als Übergewichtiger häufig in unangenehme Situationen. Wenn man im Restaurant auf dem Stuhl sitzt und dieser zusammenkracht, möchte man am liebsten im Erdboden versinken. Einmal fragt ihn die Flugbegleiterin, ob der Gurt reiche oder ob er noch eine Verlängerung brauche. Alltägliche Dinge wie Treppensteigen werden zunehmend zu einem Hindernis. Selbst Schuhebinden ist eine Herausforderung. Aber das Wichtigste ist für Klotzbier: Er möchte mit seinem zweieinhalbjährigen Sohn spielen können, ohne wie ein prustendes Walross auszusehen und zu klingen. 

Was sagt der Arzt?

Beim Gesundheits- und Fitnesscheck trifft Klotzbier auf einen Arzt, der klare Worte spricht: Bei dem Gewicht, das er zur Zeit mitbringt, läge die Wahrscheinlichkeit, irgendwann an Diabetes zu erkranken, bei 100 Prozent, sagt Fernando Dimeo vom Zentrum für Sportmedizin in Berlin. Zur Idee, Marathon zu laufen, sagt er: "Sie müssen 60 Kilo verlieren. Erst dann dürfen Sie mit leichtem Lauftraining beginnen". Die Belastung für die Gelenke wäre sonst zu groß, so Dimeo - der selbst 60 Kilogramm wiegt. Klotzbier muss also quasi einmal Doc Dimeo von den Rippen bringen, damit er eine Runde joggen gehen kann. Und Marathontraining dauert idealerweise ein Jahr. 

Was hat Klotzbier bisher geschafft?

Seit Januar fährt Micha mit dem Rad zur Arbeit. Er legt so fast hundert Kilometer in der Woche zurück. Allein dadurch hat er bereits 18 Kilo abgespeckt. Er fühlt sich schon fitter. Das Sporttreiben wirke sich positiv auf seine Stimmung aus, erzählt er. Er sei stolz, dass er sich so konsequent an das Radfahren halte. Auch die Ernährung hat er leicht umgestellt: weniger Süßigkeiten, weniger Alkohol, keine süßen Getränke und kaum Kohlenhydrate am Abend: "Ich bin überrascht, wie leicht mir das Abnehmen fällt", sagt er. Dimeo sagt: "Das, was Sie jetzt tun, ist normal. Was Sie vorher getan haben, war nicht normal." Noch wiegt Klotzbier mehr als 140 Kilo. 

Wie geht es jetzt weiter?

Bis zum Ende des Jahres will Michael Klotzbier 60 Kilo abnehmen. Wie das gelingt? Er möchte die Ernährungsumstellung weiter ausbauen, aber sich keiner einzelnen Diät verschreiben. Wichtig ist für ihn: Das Abnehmen soll nicht zur Qual werden. Keine Hauruck-Aktion, sondern ein langfristiger und dann lang anhaltender Prozess. Dimeo rät ihm zu Sport. "Das tägliche Radfahren - das ist noch kein Sport", sagt der Arzt streng. Klotzbier will jetzt mal das Walken ausprobieren. Dreimal die Woche mindestens sechs Kilometer. Dann vielleicht Schwimmen, Aquajogging, Rudern. Und irgendwann dann hoffentlich: Laufen.

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