Gerrit Hain, Trainer im Sport-Gesundheitspark Berlin, hielt für unsere Mitglieder am 18. März 2021 einen Vortrag via Zoom zum Thema "Ich hab' Rücken". Im Folgenden können Sie sich das Skript zum Vortrag durchlesen.


 

Skript: Ich hab' Rücken

Aktueller medizinischer Wissensstand zum Rückenschmerz


Epidemiologie
Weltweit gilt Rückenschmerz als eine der häufigsten Ursachen für temporäre oder chronische Behinderung. In den industrialisierten Ländern der Erde sind nahezu 4 von 5 Personen mindestens einmalig im Leben von Rückenschmerzen betroffen. Somit leiden seit den letzten 30 Jahren bis heute zu jedem gegebenen Zeitpunkt etwa 1 bis 3 drei Personen von 10 unter aktuellem Rückenschmerz (Wu et al. 2020). Damit gehören Rückenschmerzen, die meist im Bereich der Lendenwirbelsäule auftreten, zu den häufigsten nicht-tödlichen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Aus groß angelegten wissenschaftlichen Gesundheitsbefragungen geht hervor, dass Rückenschmerzen mit zunehmendem Erwachsenenalter häufiger auftreten. Dabei steigt die Häufigkeit von 16% bei 20- bis 30Jährigen auf fast 40% bei 60Jährigen und älter. Frauen beklagen innerhalb dieser Befragungen durchschnittlich etwa 5 bis 8% häufiger Rückenschmerzen als Männer, was durch die grundlegend problematische Subjektivität von Schmerzbemessung begründbar sein könnte. Auch bei jugendlichen Jungen und Mädchen treten Rückenschmerzen mit beachtlichen Häufigkeiten von 38 bis 50% auf (von der Lippe et. al., 2021).

 

Definition & Unterscheidungen
Rückenschmerz sowie Schmerz im Allgemeinen ist eine subjektive Wahrnehmung, welche für einen betroffenen Patienten eine objektive Gesundheitsstörung darstellt. Bei einer Rückenschmerz-Betrachtung muss zwischen spezifischem und unspezifischem Rückenschmerz unterschieden werden. Zu spezifischem Rückenschmerz gehört jede Präsentation von Schmerz, für welche mit klinischen Mitteln (medizinische orthopädische Anamnese, bildgebende Verfahren) eine Ursache festgestellt werden kann. Bei unspezifischen Rückenschmerzen, die zu einem viermal so hohen Anteil in der Bevölkerung auftreten, kann die tatsächliche Ursache für die empfundenen Schmerzen nicht festgestellt werden. Es wird lediglich angenommen, dass etwa 85 bis 90% aller auftretenden Rückenschmerzen auf Fehlfunktionen und Verspannungen der Rückenmuskulatur zurückzuführen sind (Leinmüller, 2008). Rückenschmerzen sind des Weiteren in akut und chronische Präsentationsformen zu unterschieden. Akut ist Rückenschmerz, wenn er erstmalig oder zum ersten Mal nach mehr als 6 Monaten für eine Dauer von weniger als 6 Wochen auftritt. Eine akute Form von Rückenschmerz kann durch bestimmte Risikofaktoren in chronischen Rückenschmerz übergehen und somit länger als 12 Monate anhalten. Zu den wissenschaftlich belegten Risikofaktoren für eine Rückenschmerz-Chronifizierung zählen vor allem Arbeits- & soziale Faktoren, wie langjährige und schwere körperliche Arbeit, überwiegend sitzende Tätigkeit, überwiegend stehende Tätigkeit, seelischer und körperlicher Stress sowie Sozialstatus und die gesundheitliche Vorgeschichte (Waters & Dick, 2015, Lis et al., 2007, Raspe, 2012).

 

Mechanische Ursachen
Wahrscheinlich spielen bei der Entstehung von Rückenschmerz mechanische Ursachen, unter vielfältigen weiteren Faktoren, eine beachtliche und direkte Rolle. Zu mechanischen Fehlbelastungen gehören vor allem zu häufige sowie zu hohe Krafteinleitungen auf den Rücken (Gallagher & Marras. 2012). Die Höhe von Kräften, die auf die Rückenstrukturen wirken, hängen hierbei stark von der Symmetrie der Arbeits- oder Alltagsaufgabe ab (Ditchen et al., 2014). Eine stetige Meidung von Bewegungen des Rückens kann im Gegenzug ebenso zu einer Abschwächung oder einem Verlust der Funktionsfähigkeit des Rückens führen. Die häufigsten durch Fehlbelastung hervorgerufenen Störungen an den Rückenstrukturen sind Muskel-Faszien-Verklebungen, Muskelverspannungen und -blockaden, Bandscheibenvorfälle oder Bandscheibenverletzungen, Nerveneinklemmung und seltener auch Wirbelkörperverletzungen oder Abnutzung durch chronische Fehlbelastung.

 

Woher kommt der Schmerz sonst?
Nebst unmittelbar mechanisch verursachter Rückenschmerzen, sind weitere Einflussfaktoren, wie chronischer Stress wissenschaftlich belegt. Zu Stress gehören vielfältige psychische und soziale Faktoren. Einige der hierzu vorliegenden Studien belegen, dass die Arbeitszufriedenheit und subjektiv empfundene Schwere der Arbeit einen größeren Einfluss auf Rückenschmerzen haben als die objektiven physischen Arbeitsbedingungen (Bigos et al. 1991, 1992). Es wird weiterführend vermutet, dass viele chronische Rückenschmerzen auf eine Manifestation eines gestörten Gesundheitsbefindens zurückzuführen sind.

 

Rückengesundheit und -schmerzprävention
Rückengesundheit ist daher stark von sowohl der akkuraten Nutzung des Rückens als auch vom Verständnis der auf den Rücken wirkenden Einflussfaktoren „physisch & psychisch“ abhängig. Es gibt aufgrund der vielfältigen Einflussfaktoren zu Rückenschmerzen leider keine gesicherten Präventionsprogramme. Aufklärungsinterventionen, Rückenschulen und nachhaltiger Rehabilitationssport scheinen vor allem das Risiko einer Chronifizierung von Rückenschmerz zu senken. Eine Vielzahl von temporären Rückenschmerzen bedarf keiner medizinischen Versorgung, jedoch kann eine wohltuende Behandlung oder Therapie „körperlich oder geistig“ eine Linderung der erlebten Rückenschmerzen unterstützen.

 

Quellen:

  • Bigos SJ1, Battié MC, Spengler DM, Fisher LD, Fordyce WE, Hansson TH, Nachemson AL, Wortley MD. A prospective study of work perceptions and psychosocial factors affecting the report of back injury. Spine (Phila Pa 1976). 1991 Jan;16(1):1-6.
  • Caimi, M. (2000). Bandscheibendruckverhältnisse unter Lebendbedingungen. KG Intern, 18, 2-24.
  • Cyron, B. M., & Hutton, W. C. (1978). The fatigue strength of the lumbar neural arch in spondylolysis. The Journal of bone and joint surgery. British volume, 60(2), 234-238.
  • Ditchen, D., Lundershausen, N., Bergmann, A., Bolm-Audorff, U., Haerting, J., Haufe, E., ... & Ellegast, R. (2014). Abschätzung von lumbalen Bandscheiben-Druckkräften in BK-2108-Verfahren. Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie, 64(4), 258-269
  • von der Lippe, E., Krause, L., Prost, M., Wengler, A., Leddin, J., Müller, A., ... & BURDEN 2020 study group. (2021). Prävalenz von Rücken-und Nackenschmerzen in Deutschland. Ergebnisse der Krankheitslast-Studie BURDEN 2020.
  • Raspe, H. (2012). Themenheft 53" Rückenschmerzen".

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